Führung am Feldberg mit Hubertus, dem Ranger vom Haus der Natur, und einer jungen Praktikantin, die ihren freiwilligen Dienst, ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), im Haus der Natur leisten darf,
am 19. August 2025
13 muss unsere Glückszahl gewesen sein. 13 Wanderer waren in Lörrach endlich vereint und die Fahrt zum Feldberg konnte sorgenfrei starten. Uns erwartete eine angenehme Temperatur, der letzte Tag vor einer Regenperiode. Das war sehr wertvoll auf dem schmalen Pfad, der mit glatt glänzenden Felssteinen und Baumwurzeln die volle Aufmerksamkeit erforderte.
Bereits ein Jahr zuvor haben wir unsere Führung durch diese eindrucksvolle, urwüchsige Landschaft entlang des so genannten „Felsenweges“ oberhalb des malerischen Feldsees vereinbart. Im Bannwald, dem „Urwald von morgen“, und teilweise auch schon von heute, sammeln die Förster wertvolle Erkenntnisse für eine naturnahe Forstwirtschaft.
Dieses Gebiet auf Deutschlands höchstem Berg außerhalb der Alpen ist Lebensraum vieler seltener Tiere und Pflanzen und wurde bereits vor fast 90 Jahren unter Naturschutz gestellt.
Grob gesagt, begann der Mensch vor rd. 1.000 Jahren den Urwald zu roden und die Wiesen als Rinderweiden zu nutzen.
Einige besondere Lebensräume blieben jedoch auch ohne menschliche Eingriffe unbewaldet und waren Rückzugsgebiete für viele Pflanzen und Tiere, die auch heute noch in den Alpen anzutreffen sind. Fachleute bezeichnen unseren Feldberg als „subalpine Insel“.
Immer wieder Alpen: Alpen-Milchlattich, Alpen-Mutterwurz, Alpendost, Alpine Gebirgsschrecke. Alpenglöckchen auch Alpentroddelblume genannt, die sonst nur in den Alpen vorkommt, und am Feldberg in Rieselfluren wächst. Sie fühlt sich in überrieselten Hangbereichen wohl. Schon denkt man an Moore und liegt richtig. Typische Feuchtstandorte entstehen, wenn sich bei zeitweiliger Nässe und Sauerstoffmangel eine Torfschicht bildet. Immer wieder führte unser Weg über Holzbohlen, damit wir das Moor mit seinen seltenen Pflanzenarten vor Zerstörung schützen. Im Moor finden wir den Alpenhelm. Mit dem Alpenampfer, dem Alpenweidenröschen, dem Alpendost und der Alpenheckenrose beende ich unsere Wanderung durch die Alpen, wohl wissend, dass uns der Alpenblattkäfer verfolgen wird, wenn wir nicht auch ihn erwähnen.
Was haben nun die Alpen, deren Kette vom Montblanc im Westen bis zur Zugspitze im Osten führt, mit dem Schwarzwald und hier besonders mit dem Feldberg zu tun?
Vor über 350 Millionen Jahren erstarrte Magma in großer Tiefe. Unser Feldberg war noch tief unter dem Boden des Jurameeres begraben. Vor Kurzem, also nur noch vor 45 Mio. Jahren, stießen Gletscher gegeneinander: Der Schwarzwald wurde gegen über dem Rheintal angehoben. Die Vergletscherung sorgte für den Feinschliff. Noch heute sehen wir Zeugen der Eiszeiten wie das Feldseekar mit seiner Moräne. Und die erstarrte Magma aus großer Tiefe? Sie finden wir heute als Granit und Gneis im Hochschwarzwald wieder.
Die Waldgeschichte hört sich traurig an. Holz wurde gebraucht als Baumaterial. Geflößt wurde bis Holland. Es kamen die Glasbläser. Es gab die Kohlenmeiler. Dann kamen die Rinderherden. Es störte kein Baum mehr. Aufgeforstet wurde mit Fichte, einem schnell wachsenden Holz, das lukrative Einnahmen versprach. Mit dem Naturschutzgebiet (seit knapp 90 Jahren) entstand ein Mischwald aus Buchen, Bergahorn und Tannen und es konnten sich vor allem in den Bannwäldern wieder naturnahe Wälder bilden. In den immer wärmer werdenden Sommern entwickelte sich der Borkenkäfer rasant und zerstörte die Lebensadern der Bäume. Er und der Sturm sind verantwortlich für das Entstehen der Bannwälder. Sie werden aus abgestorbenen Bäumen gebildet und sorgen ihrerseits für die Lebensgrundlage einer artenreichen Tierwelt. So konnte der Dreizehenspecht wieder (aus der Schweiz) zurückkehren, der die totholzreichen Wälder braucht. Kurze Erklärung: Alle anderen Spechte haben 4 Zehen. Der Bannwald wiederum hilft sich selbst. In 10 Jahren, so erzählt Hubertus, ist es hier wieder grün. Ja, und all die noch stehenden, toten, grauen Fichten? Die sind innerhalb von 10 Jahren am Boden und bilden wieder die Möglichkeit zum Überleben der kommenden Tiergenerationen.
Wir haben noch so vieles gehört von Mauerseglern, Auerhühnern und den für sie lebensnotwendigen Lichtungen (schnelle, aber schlechte Flieger). Sie können keine engen Kurven fliegen. Deshalb schneidet man ihnen immer wieder Schneisen und Lichtungen frei. Darauf wachsen in der Sonne wieder Heidelbeeren, das Lieblingsmenue unserer scheuen Auerhühner. Wir hörten von Luchsen und Wölfen, von Rotwild, von Touristen und Mountainbikern. Und hier wird unterschieden: Wer auf den Wegen bleibt, wird von der Tierwelt nicht als Störenfried erkannt. Verlässt aber nur einer von ihnen den Weg, um durch die Wälder zu streifen, stört er die Waldtiere. Das wird besonders gefährlich im Winter, wenn die Tiere durch unnötiges Davon springen ihre Fettreserven vorzeitig verbrauchen, bevor die Nahrung des nächsten Frühlings zur Verfügung steht. Hunde dürfen absolut nicht frei laufen. Nachtwanderungen stören und verhindern die Nahrungssuche der nachtaktiven Tiere.
3 ½ Stunden hat sich unser Ranger Zeit für uns genommen. So Vieles aus seinem langen Berufsleben hat er uns an Informationen weiter gegeben. Es war sehr spannend, es war eine so interessierte Gruppe, die Stunden sind im Flug vorüber gegangen und Hubertus hat einer sehr dankbaren Gruppe die Augen geöffnet.


